Unser
erster Tag in San Francisco war ein ziemlicher Reinfall. Schon unser erstes Vorhaben ging schief. Wir wollten den selben Weg wählen, den bis in die 1930er
Jahre fast alle Neuankömmlinge in die Goldgräberstadt nehmen
mussten: den Seeweg. Erst 1937 wurde der Bau der Golden Gate Bridge
beendet und verbindet seitdem die Stadt mit dem nördlichen Festland.
Will
und Kendra, unsere Vermieter, hatten uns die Fähre von der East Bay
(der östlichen Bucht um San Francisco, wozu auch Berkeley zählt)
empfohlen. Will fuhr uns drei mit dem Auto nach Oakland, unserer
Nachbarstadt, wo die Schiffe regelmäßig ablegen. Außer an diesem
Montag, wo wir erwartungsvoll am Hafen ankamen. Es war President's
Day, der in den USA als Feiertag
begangen wird. Anders als in Deutschland, wo an einem solchen Tag ein besonderer
Besucheransturm zu erwarten gewesen wäre, hatten hier aber
öffentliche Einrichtungen geschlossen – und deshalb auch die
Fähre.
San Francisco von unserer Seite der Bay Area aus gesehen. |
Wir
nahmen dann eine Art S-Bahn, die BART-Train, die San Francisco mit
der East Bay verbindet. Im Financial District, wo sich die Hochhäuser
der Banken aneinanderreihen, kamen wir schließlich an. Wie durch
eine künstliche Welt bewegten wir uns hier. Mir kam es vor als sei
selbst die Luft auf der Straße durch eine Klimanlage gefiltert. Die
Hochhäuser werfen so lange Schatten, dass man nur den sonnigen
Himmel sieht, der aber nicht mit der Außentemperatur übereinstimmt.
Der Turm des Ferry Buildings mit dem Schriftzug der Stadt. |
Zu
Fuß gingen wir dann zum Ferry Building, dem Fährenhaus, eben jenem
Gebäude, an dem vor uns so viele Hoffungsvolle in die Stadt
strömten und an dem auch wir ursprünglich San Francisco betreten wollten. Heute ist das Ferry Building vor allem ein Tipp für
Gourmet-Freunde. Denn neben dem Farmers Market, dem Markt der lokalen
Bauern, der in jedem Ort der gesamten Bay Area ein Muss ist, sind
hier viele Delikatess-Läden vereint. Wir fanden einen Bäcker, bei
dem das „New York Roggen“-Brot gut schmeckte. Ich sage nicht:
sehr gut, denn wir testen hier alle verheißungsvollen Bäcker. San Francisco ist angeblich für sein Sourdough Bread bekannt. Aber
an das einfache, aber famose Sauerteigbrot von unserem Leipziger
Bäcker reichte bis jetzt keines heran.
Die Oakland Bridge im Hintergrund leitet die Autos in zwei Stockwerken über die Bucht. |
Dieses
Vermissen von Wohlbekanntem nahm ausgerechnet an diesem Tag seine
bisher schlimmste Form an: Irgendwann schoben wir genervt unsere
quengelnde Zweijährige durch die Straßen von San Francisco.
Missmutig suchten wir einen Weg nach North Beach, auf den Telegraph
Hill, den es nicht gab, obwohl eine durchgehende Straße auf der
Karte verzeichnet war. Ein kalter Wind ließ uns trotz wunderbarem
Sonnenschein immer wieder frieren. Letztendlich schauten wir uns den berühmten Serpentinenabschnitt der Lombard Street gar nicht an, der unser eigentliches Ziel war, denn nach dem langen Umweg hatten wir einfach keine Lust mehr, noch weiter den Berg zu besteigen. Und schließlich überwältigte uns eine riesen Auswahl an italienischen Restaurants in Little Italy, so dass wir uns gar nicht mehr entscheiden konnten. Ich wollte einfach nur nach Hause, nach Deutschland, wo ich Speisekarten verstehe und weiß, wo man gut essen gehen kann, und nicht andauernd einfach alles neu für mich ist.
Straße in North Beach. |
Heimweh
ist ein schönes deutsches Wort. Und in San Francisco erlag ich
dieser Wehmut. Außerdem sind Städtereisen gänzlich ungeeignet für
Kleinkinder. Das nächste Mal werden wir ohne Kind wieder kommen und
vielleicht im „Walzwerk“ essen gehen, denn es gibt in San
Francisco ein Restaurant mit ostdeutscher Küche! Ich werde
berichten...
Ein typisches Haus in San Francisco. Diese "Victorians" stammen noch aus der Zeit vor dem großen Erdbeben 1906, bei dem die Hälfte der viktorianischen Häuser zerstört wurden. |
Zu
Hause sahen wir erst einmal eine Folge von „Die Straßen von San
Francisco“. Zumindest im Vorspann erkannten wir den Coit Tower auf
dem Telegraph Hill wieder. Ansonsten ist San Francisco wohl nicht
mehr mit dieser Polizeiserie aus den 1970ern vergleichbar. Aber da
wir Europäer Amerika sowieso hauptsächlich aus Filmen kennen,
können wir uns ja dieses Fleckchen Erde auch weiter so erschließen
- und unsere Eindrücke ab und zu durch echte Erlebnisse erweitern. Mein erster Film,
der in San Francisco spielt und den ich in den 1990ern gesehen habe,
war übrigens „Mrs. Doubtfire“. Und ich muss sagen: Die Straßen
und Häuser sehen hier wirklich so aus, wie im Film! Aber eben nicht
nur.
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